Skateboardfahren ist Sachbeschädigung, aber eben noch viel mehr!

19-06-2015

Seit wir wieder auf der Straße unterwegs sind um unser neues Video zu filmen begegnen wir wieder allerlei Leuten deren Meinungen zu Skateboardfahren ziemlich interessant ist!

Ein großer Irrglaube ist, dass Skateboardfahren für andere Passanten so gefährlich ist. In Relation betrachtet ist das eigene Risiko natürlich viel höher. Wie oft ist beim Skateboarden jemand umgeknickt? Dazu gesehen wie oft ich mitbekommen habe, dass sich wirklich ein Passant verletzt hat… Hmm… Das ist wahrscheinlich ähnlich wie die Verletzenzahl bei Flugzeugen im Gegensatz zu Motorradfahrern. Also wollen wir diesen Punkt mal streichen. Wir passen auf unsere Mitmenschen auf und es ist bestimmt viel gefährlicher für uns als für sie…

Eine weitere Anklage ist die Ruhestörung! Also zum einen leben wir in einer Stadt. Ein Stadt ist tagsüber laut und hat viele, viele Nachteile. Ich atme die Schadstoffe von fremden Autos ein, ich höre die Gespräche von meinen Nachbarn, ich höre den Lärm der Bars, aber ich lebe gerne in der Stadt. Ich möchte nämlich was erleben. Und tagsüber sollte ein gewisses Maß an Lautstärke schon erträglich sein. Zumal es ja nicht den ganzen Tag ist, wenn man mal kurz einen Trick vor einem Haus filmt.

Punkt 3 ist natürlich dann die Sachbeschädigung!
Und hier beginnt eine schwierige Frage mit der wir uns täglich auseinandersetzen. Grundsätzlich sei mal gesagt, dass meistens relativ wenig kaputt geht (in seiner Funktion beeinträchtigt zumindest). Farbe und Dreck können natürlich entstehen. Auch Wachs kann man sehen. Viele Spots die aber dann eine Weile mal nicht mehr geskatet werden, sind nach ein paar Wochen auch wieder im alten Zustand. Zumindest wenn es sich um Stein handelt.
Aber der eigentliche Punkt ist eigentlich, dass wir Skateboarder selber die Spots ja nicht kaputtmachen wollen, sondern nur urbanes Gelände nutzbar machen wollen.
Viele Architekten und Künstler freuen sich sogar über die andere Nutzung ihrer Bauten. Auch Denkmäler und Plätze die sonst oft brachliegen bekommen so für die Jugend eine ganz andere Bedeutung und bekommen sogar oft viel mehr mediale Aufmerksamkeit, was eventuell ja sogar dem eigentlichen Zweck dient. Nämlich der Erinnerung und der Huldigung.

Aber wieso kommt es überhaupt zu einer solchen Nutzung obwohl doch die Stadtverwaltungen alles tun um die Skateboardfahrer von der Straße in befestigte Anlagen zu bekommen wo sie sich oft weggesperrt und abgesondert fühlen?

Skateboardfahren ist natürlich nicht einfach nur eine Sportart. Die natürliche jugendliche Rebellion trifft auf einen Sport der von Kunst, dem Leben und der Inspiration geleitet wird. Es geht um Style, Leichtigkeit und Kreativität die jeder einzelne Skateboarder für sich selber finden muss. Deshalb müssen immer neue Wege eingeschritten werden. Man kann nicht immer nur einem Skatepark, einer meist feststehenden Übungswiese Skateboard fahren. Es wird unendlich langweilig dort immer wieder die gleichen Tricks an den gleichen Obstacles zu machen. Man braucht die Herausforderungen der Straße. Die vorbeiziehenden Passanten, die Security-Leute, einfach die Reibung am unperfekten Spot der nicht für Skateboard fahren gebaut ist.
Das ist die eigentliche Herausforderung. Die Krönung eines Tricks. Das Weiterkommen für einen selber.
Nur wie soll man das mit dem Vorwurf der Sachbeschädigung unter einen Hut bringen?
Das tut jeder Skateboarder für sich selbst. Es gibt solange die Skateparks nicht alle diese Faktoren auch bieten können wohl keine Hintertür für unseren Sport.
Deshalb müssen wir uns arrangieren… und damit Leben auch mal etwas aus Versehen kaputt zu machen.
Zum Glück gibt es in einer Stadt genug Freiraum der keinem einzelnen gehört, so dass es schon auch ohne mutwillige Zerstörung geht.
Wie gesagt in den meisten Fällen wird etwas nur ein bisschen dreckig gemacht. Auch wenn es der Allgemeinheit vielleicht nicht 100% gefällt, aber es gibt in einer Gesellschaft viele solche Sachen. Die Griller die alles verschmutzen, die Feierwütigen, die unsere Straßen mit Glasscherben vermüllen, die Autofahrer die Luftverschmutzung bringen und Rohstoffe verbrennen, alle Menschen die zur Klimaerwärmung beitragen usw usw.
Wir sind eine Gesellschaft die ohne Rücksicht oder vielleicht auch nur mit geringer Rücksicht viele Dinge tut die anderen schadet.
Deshalb sollten wir Skateboarder mit Bedacht auswählen was wir wirklich fahren können und dürfen. Aber trotzdem ist Skateboardfahren eine Sportart, die es zu supporten gilt. Aus wenig anderen Sportarten kommen so viele Kreative, die die Welt mit anderen Augen sehen und sie dann wieder schöner machen.
Es kommen aus wenigen anderen Sportarten neue Modetrends die uns das Leben versüssen oder auch nur unser bayrisches Lästerherz höher schlagen lässt.
Da komme ich zum Bier. Wieso darf eine Brauerei mitten in München Bier brauen, dass es nur so stinkt?
Weil man damit Leben muss das es unsere Tradition ist und das ist auch gut so!
Skateboard fahren macht tolerant und bereitet viele, viele Jugendliche auf das Leben vor.
Was auch immer … Wir wollen niemandem schaden und auch niemanden nerven, aber Skateboard fahren gehört zu unserer Kultur wie es Fussball zum Beispiel auch gehört und auch hier müssen wir mit den Nebenwirkungen leben… Volle Ubahnen zum Stadion, betrunkene Jugendliche die schreien, Leute die an Ecken pinkeln usw.
Alles Gute hat auch seine Schattenseiten.
Man kann nicht alles ändern.
Wir entschuldigen uns hiermit bei allen die wir nerven und auch falls jemand jemals einen persönlichen Schaden genommen haben sollte.
Aber wir versprechen tolerant zu sein und vieles gut zu heissen, was nicht unser persönliches Ding sein sollte.
Wir verändern unsere Gesellschaft ein bisschen und sind froh darüber!
– Wir alle Skateboarder –

Skateboarding for life!