Vereinigt

07-07-2015

Skateboarden muss vereinslos bleiben.

Erstens. Vereine töten das Individuum. Skateboarden ist individuell. Skateboarden ist in der Vergangenheit von einzelnen Lichtgestalten voran gebracht worden. Je mehr Vereine mit ihren parteiähnlichen Strukturen das Rampenlicht übernehmen, desto weniger bleibt davon für diese Visionäre. Und desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der nächste Gonz, Mullen oder Alv sich angewidert von Skateboarden abwendet bevor sie/er seine Genialität verwirklicht. Zurück bleiben: Vereine. Mit dampfplaudernden, bestimmungsgeilen alten Säcken an der Spitze. Das bringt uns zu –

Zweitens. Vereine sind eine erwachsene Struktur. Sie widersprechen der kindlichen, rebellischen Natur des Skateboardens. Ein Skateboarder hat verdammt nochmal Besseres zu tun als rechtzeitig zu Versammlungen zu erscheinen und Wahlen abzuhalten – Kiffen zum Beispiel, oder wehrlose Omas ausrauben … Ich habe Fußball den Rücken gekehrt, wegen dem Verein, und Skateboarden zu meiner Heimat gemacht, wegen: KEIN Verein. Ich habe Zwang gehasst. Ich habe gehasst, dass die „Mehrheit“ und irgendwelche von irgendwem eingesetzten alten Säcke bestimmen durften, was mit mir passiert. Vereine werden gegründet von alten Säcken, sie werden geführt von alten Säcken. Aber, so leid es mir tut meine Freunde, uns alten Säcken gehört Skaten nicht. Nicht mal zum Teil. Skaten gehört den Kids. Wir werden schlicht noch geduldet. Und das ist gut so.

Drittens. Vereine sind das Gegenteil von Kreativität. Vereine haben Struktur und Vorsitzende und Zeitpläne. Und am allerschlimmsten: Vereine sind legal. Vereine betonieren keine Transition an Hauswände und Baustellenbarrieren. Vereine bauen schöne Skateparks, in denen wir es einfach haben und trainieren und vergessen können, dass wir eigentlich als brüllende Bande in die Straßen gehören. Nicht nur am 21. Juni. An jedem verdammten Tag. Aber das ist den meisten von uns schon zu anstrengend geworden. Und die, die das am wenigsten einsehen wollen, haben Profilbilder, in denen sie mit der Meute durch die Straßen pushen. Skateboard-Realität ist nicht mehr gleich Skateboard-Idee. Skatepark Footage ist halt doch einfach nicht so ‚real’. Vielleicht ist Skateboarden ja an dem Punkt, an dem es Vereine verdient hat. Und ich such mir auf meine alten Tage doch nochmal eine neue Liebe. Keep it Street League.

geschrieben von Simon Reichel

 

Dieser Text soll zum Nachdenken anregen. Er soll keine Szene spalten und er soll niemanden angreifen oder vielleicht auch schon,  aber es geht darum zu überlegen wo sich etwas das man liebt hin entwickelt. Ablehnung, Rebellion und Anders sein gehört zum Skateboarden dazu. Wir hatten immer die Modeetrends, wir hatten immer die Streetcredibilty, wir hatten immer die Coolness, aber wir waren auch immer wir. Jetzt sollen Skateboarder bei Olympia starten und Dopingtests machen? Diese Vereine haben uns sicher bessere Skateparks gebracht. Und ein Haufen Leute in ganz Deutschland tun irre viel Skateboarden weil sie Vereine gründen, damit Skateparks oder sogar Hallen begleiten und auch führen. Aber das ist auch wieder Deutschland mit seinen Deutschland Grinds. Skateboarden ist international. Wir fühlen uns mit der ganzen Welt verbunden. ABER wurde das Paral-lel durch einen Verein gerettet? Vielleicht. Aber anscheinend hören in  Spanien die Leute auch so auf ihre Einwohnner. Da entscheidet nicht einfach wie in München jemand auf dem (Un-)Recht eines Einzelnen und entscheidet sich gegen die Demokratie und fragen dann: Habt ihr überhaupt eine Lobby? Lautstärkenormen die nicht einhaltbar sind und ähnliche Fälle sind einfach Teil unserer Wohlstandsgesellschaft. Die Welt hat andere Probleme! Definitiv schwerwiegende und viele Leben kostende.  Skateboarden soll jetzt nicht an dieser Stelle politisch werden. Jeder wie er möchte. Aber Skateboardfahren ist eine Lebenseinstellung und wird von Meinungen und Gefühlen begleitet. Wir sind auch nicht gegen Vereine, denn anscheinend brauchen wir Deutsche Vereine. Das scheint Teil unserer Kultur zu sein. Ich höre jetzt ein bisschen PunkRock und scheiss drauf. Und bitte jetzt niemand beleidigt sein. Wir bedanken uns hiermit für all die Herzblutarbeit die viele, viele Leute in Skateboarding stecken. Egal ob im Verein, am Rechner, im SlapForum, in der Strasse, im Schnittraum oder vielleicht sogar auf dem Skateboard. Danke, dass IHR alle Skateboarden weiterbringt. Wir freuen uns auf jeden Fall auf das nächste Skatelicht. Und sind gespannt was dann wieder auf die Schippe genommen wird. (Anmerkung der Redaktion)